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In der Tropfenfotografie bestimmt die Flüssigkeit, welche Formen überhaupt entstehen können. Dieselbe Steuerung, dieselbe Fallhöhe und dasselbe Licht ergeben mit Wasser zarte Spritzer und mit einer angedickten Mischung glatte, fast gläserne Skulpturen. Wer versteht, warum das so ist, findet schneller die passende Mischung.
Warum die Viskosität entscheidet
Viskosität beschreibt, wie zäh eine Flüssigkeit ist. Wasser ist dünnflüssig: Die Rückstoßsäule wächst schnell, wird dünn und zerfällt in einzelne Perlen. Eine zähere Flüssigkeit bremst diesen Zerfall. Die Säule wird dicker, die Kronenränder bleiben geschlossen, und Schirme breiten sich gleichmäßiger aus. Gleichzeitig ändern sich alle Zeiten, weil die Formen langsamer wachsen.
Zu viel des Guten hat aber Nachteile. Eine sehr dicke Mischung bildet am Ventil Fäden statt Tropfen, und die Oberfläche in der Schale beruhigt sich nur langsam.
Wasser: der Startpunkt
Leitungswasser ist überall verfügbar, verdirbt nicht und verklebt kein Ventil. Für die ersten Versuche ist es ideal, weil Sie sich ganz auf Licht, Schärfe und Timing konzentrieren können. Die Formen sind filigran und dynamisch, verzeihen aber kaum Timing-Fehler. Ein Tropfen Spülmittel in der Schale verändert die Oberflächenspannung und damit die Formen ebenfalls, ist aber eine Geschmacksfrage.
Guarkernmehl und Xanthan
Beide sind Verdickungsmittel aus dem Lebensmittelbereich und in Supermärkten, Drogerien oder Reformhäusern erhältlich. Sie lösen sich in kaltem Wasser, brauchen aber gründliches Rühren und etwas Zeit zum Quellen.
So gehen Sie vor:
- Eine kleine Menge Pulver langsam in das Wasser einrühren, am besten mit einem Schneebesen oder Milchaufschäumer.
- Die Mischung einige Zeit stehen lassen, damit sie vollständig quillt.
- Klumpen abseihen und Luftblasen aufsteigen lassen.
- Testen: Läuft die Mischung vom Löffel noch gleichmäßig, aber spürbar langsamer als Wasser, sind Sie im richtigen Bereich.
Weil sich Zeiten mit der Viskosität verschieben, sollten Sie nach jeder Änderung das Timing neu einstellen. Das Vorgehen dafür steht im Beitrag Tropfen auf Tropfen: das Timing.
Milch und Sahne
Milch ist undurchsichtig. Statt Licht durchscheinen zu lassen, reflektiert sie es. Dadurch wirken Formen weiß und plastisch, besonders vor einem dunklen oder farbigen Hintergrund. Sahne oder Mischungen aus Milch und Wasser verändern die Zähigkeit zusätzlich.
Der Nachteil: Milch verdirbt schnell und hinterlässt Rückstände im Ventil. Spülen Sie nach jeder Session gründlich mit warmem Wasser.
Farbe ins Bild bringen
Für Farbe gibt es zwei Wege:
- Farbige Flüssigkeit: Lebensmittelfarbe im Vorratsgefäß färbt die Tropfen selbst. Unterschiedlich gefärbte Tropfen aus zwei Ventilen ergeben Farbmischungen.
- Farbiges Licht: Ein Blitz beleuchtet einen farbigen Karton hinter der Schale, oder Farbfolien liegen vor den Blitzen. Klare Tropfen spiegeln und brechen diese Farben.
Der zweite Weg ist flexibler und sauberer. Wie Sie Blitze dafür positionieren, beschreibt der Beitrag Blitz statt Dauerlicht.
Hygiene und Reinigung
Organische Mischungen bieten Bakterien einen guten Nährboden. Setzen Sie Mischungen frisch an, verwenden Sie saubere Gefäße und spülen Sie Ventil, Schläuche und Schale nach jeder Session mit klarem Wasser. Eingetrocknete Reste lassen sich später nur schwer entfernen und können das Ventil blockieren.
Mischungen dokumentieren
Notieren Sie für jede Mischung, wie viel Pulver Sie auf welche Wassermenge gegeben haben, wie lange sie gequollen ist und welche Zeiten funktioniert haben. Nach einigen Sessions haben Sie eine eigene kleine Rezeptsammlung, mit der Sie gezielt bestimmte Formen ansteuern können. Wer ganz am Anfang steht, beginnt am besten mit der Anleitung für Einsteiger und reinem Wasser.
Checkliste
Mischung ansetzen
Fragen und Antworten
- Wie viel Guarkernmehl brauche ich?
- Sehr wenig. Schon eine kleine Menge verändert die Viskosität deutlich. Beginnen Sie mit einer Messerspitze auf eine größere Menge Wasser, rühren Sie gründlich und lassen Sie die Mischung quellen. Tropft das Ventil danach unregelmäßig, ist die Mischung zu dick.
- Gehört die dicke Flüssigkeit ins Ventil oder in die Schale?
- Beides ist möglich und ergibt unterschiedliche Effekte. Viele Fotografen dicken die Flüssigkeit im Vorratsgefäß an, damit die Tropfen selbst formstabiler sind, und lassen die Schale ähnlich oder etwas dünner. Probieren Sie beide Varianten getrennt aus.
- Kann ich Lebensmittelfarbe verwenden?
- Ja, Lebensmittelfarbe ist üblich. Sie färbt aber Schale und Ventil, und gefärbtes Wasser in der Schale schluckt Licht. Viele Bilder wirken sauberer, wenn die Farbe über einen beleuchteten Hintergrund oder Farbfolien vor dem Blitz entsteht.
- Wie lange hält eine Mischung?
- Mischungen mit Milch oder organischen Verdickungsmitteln verderben schnell, vor allem bei Zimmertemperatur. Setzen Sie sie für jede Session frisch an und entsorgen Sie Reste. Abgestandene Mischungen verändern ihre Konsistenz und damit auch Ihr Timing.
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