Einstellungen zum Ausprobieren
-
Porträt mit weichem Hintergrund
- Blende
- f/1.8 bis f/2.8
- Zeit
- 1/250 s
- ISO
- 100 bis 800
- Brennweite
- 50 mm
Fokus auf das vordere Auge. Bei f/1.8 ist die Schärfentiefe sehr gering.
-
Innenraum ohne Blitz
- Blende
- f/1.8 bis f/2
- Zeit
- 1/60 bis 1/125 s
- ISO
- 800 bis 3200
- Brennweite
- 50 mm
Die Lichtstärke erlaubt deutlich niedrigere ISO als ein Kit-Zoom.
Ausgangswerte für den ersten Versuch, keine festen Regeln. Licht, Motiv und Kamera entscheiden, das Histogramm zeigt, ob es passt.
Inhalt dieser Seite
Fragt man erfahrene Fotografen nach dem ersten Objektiv, das sie nach dem Kit-Zoom kaufen würden, fällt oft dieselbe Antwort: eine 50-mm-Festbrennweite. Das Objektiv ist klein, lichtstark und bei vielen Systemen erschwinglich. Vor allem aber verändert es die Art, wie Sie fotografieren. Dieser Beitrag aus dem Bereich Fotoausrüstung erklärt, warum.
Was eine Festbrennweite ausmacht
Eine Festbrennweite hat genau eine Brennweite, Sie können also nicht zoomen. Das klingt nach einer Einschränkung, bringt aber Vorteile. Weil die Optik nur für eine Brennweite gerechnet ist, kann sie einfacher, lichtstärker und oft schärfer sein als ein Zoom in derselben Preisklasse.
Der große Vorteil: Lichtstärke
Typische 50-mm-Festbrennweiten haben eine Offenblende von f/1.8 oder f/1.4. Ein Kit-Zoom erreicht bei 50 mm meist nur etwa f/5.6. Der Unterschied zwischen f/5.6 und f/1.8 beträgt mehr als drei Blendenstufen, also etwa zehnmal so viel Licht. Was das bedeutet, erklärt der Beitrag zum Belichtungsdreieck.
In der Praxis heißt das:
- Innenräume ohne Blitz: kürzere Verschlusszeiten und niedrigere ISO.
- Dämmerung und Abend: weniger Rauschen.
- Bewegung: scharfe Bilder auch bei schwachem Licht.
Freistellung und Bildwirkung
Mit offener Blende wird die Schärfentiefe sehr gering. Das Motiv steht scharf vor einem weich verlaufenden Hintergrund. Gerade bei Porträts, Tieren und Details ist das eine starke Gestaltungsmöglichkeit. Wichtig: Bei f/1.8 aus der Nähe ist die Schärfeebene nur wenige Zentimeter tief. Fokussieren Sie genau, bei Porträts auf das vordere Auge.
50 mm an Vollformat und APS-C
An Vollformat gilt 50 mm als Normalbrennweite. Der Bildwinkel wirkt natürlich und ohne starke Verzerrung. Das Objektiv eignet sich für Alltag, Reportage, Straße, Halbporträts und Details.
An APS-C wirkt es durch den Cropfaktor wie etwa 75 bis 80 mm. Damit wird es zu einem klassischen Porträtobjektiv. Gesichter wirken natürlich proportioniert, und der Hintergrund lässt sich gut freistellen. Auch für Pferdeporträts ist das ein günstiger Einstieg. Mehr zum Cropfaktor steht im Beitrag Vollformat oder APS-C.
Mit den Füßen zoomen
Ohne Zoom müssen Sie sich bewegen, um den Ausschnitt zu ändern. Das klingt mühsam, schult aber den Blick. Sie überlegen bewusster, wo Sie stehen, was ins Bild gehört und was nicht. Viele Fotografen berichten, dass ihre Bilder durch eine Zeit mit nur einer Festbrennweite deutlich besser geworden sind.
Einsatzgebiete
- Porträts: besonders an APS-C, an Vollformat für Halbporträts und Umgebungsporträts.
- Familie und Alltag: lichtstark für Innenräume, unauffällig klein.
- Straßenfotografie: natürlicher Blickwinkel, diskret.
- Produkt und Food: wenig Verzerrung, gute Schärfe.
- Nahbereich: mit Zwischenringen ein günstiger Makro-Einstieg, wie im Beitrag Makroobjektiv oder Zwischenringe beschrieben.
Grenzen
Für weite Landschaften fehlt der Weitwinkel, für scheue Tiere die Telebrennweite. Bei Offenblende sind manche günstigen Modelle an den Rändern etwas weicher und zeigen Vignettierung, das bessert sich beim Abblenden. Der Autofokus einfacher Modelle ist nicht immer der schnellste und mitunter hörbar.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Statt einer Kaufempfehlung einige Kriterien:
- Passendes Bajonett und Unterstützung für den Autofokus Ihrer Kamera.
- Lichtstärke: f/1.8 als guter Kompromiss, f/1.4 und lichtstärker für Spezialisten.
- Naheinstellgrenze: je kürzer, desto vielseitiger.
- Gewicht und Größe: besonders, wenn das Objektiv immer dabei sein soll.
- Gebrauchtmarkt: 50-mm-Objektive sind weit verbreitet und gebraucht oft günstig. Tipps dazu stehen im Beitrag Gebrauchte Kamera kaufen.
Checkliste
Eine Woche nur mit 50 mm
Fragen und Antworten
- Lohnt sich eine 50 mm, wenn ich schon ein Kit-Zoom habe?
- Ja, vor allem wegen der Lichtstärke. Ein typisches Kit-Zoom hat bei 50 mm eine Blende um f/5.6. Eine Festbrennweite mit f/1.8 lässt gut drei Blendenstufen mehr Licht durch, also etwa zehnmal so viel Licht. Das ermöglicht kürzere Zeiten, niedrigere ISO und eine viel stärkere Freistellung.
- f/1.8 oder f/1.4?
- f/1.4 ist etwas lichtstärker, aber meist größer, schwerer und teurer. Der Unterschied beträgt etwa zwei Drittel einer Blendenstufe. Für die meisten Hobbyfotografen ist f/1.8 der beste Kompromiss aus Leistung, Gewicht und Preis.
- Ist 50 mm an APS-C sinnvoll?
- Ja, vor allem für Porträts. Durch den Cropfaktor wirkt das Objektiv dort wie etwa 75 bis 80 mm an Vollformat. Wer an APS-C einen natürlichen Allround-Blickwinkel sucht, greift eher zu einer Festbrennweite um 30 bis 35 mm.
- Kann ich mit 50 mm Makros fotografieren?
- Nicht im engeren Sinn, da die Naheinstellgrenze meist bei etwa 40 bis 50 Zentimetern liegt. Mit Zwischenringen wird die 50 mm aber zu einem günstigen Makro-Einstieg mit beachtlicher Vergrößerung.
Weiterlesen
-
Makroobjektiv oder Zwischenringe
Zwischenringe, Nahlinse, Retroadapter oder echtes Makro: was die Varianten leisten, wo ihre Grenzen liegen und für wen sich welcher Weg lohnt.
-
Pferdeporträts
Brennweite, Augenhöhe, Licht und gespitzte Ohren: wie aus einem Schnappschuss auf der Koppel ein Porträt mit Ausdruck wird.