Makrofotografie

Makroobjektiv oder Zwischenringe? Günstige Wege in die Makrofotografie

Zwischenringe, Nahlinse, Retroadapter oder echtes Makro: was die Varianten leisten, wo ihre Grenzen liegen und für wen sich welcher Weg lohnt.

Focus Stacking in der Makrofotografie Bei großem Abbildungsmaßstab ist pro Aufnahme nur eine dünne Ebene scharf. Für ein durchgehend scharfes Bild entstehen mehrere Aufnahmen mit leicht verschobener Schärfeebene, die eine Software zusammenrechnet. Einstellschlitten oder Fokus-Stufen Schärfeebenen 1 bis n Software rechnet die scharfen Bereiche zu einem Bild zusammen
Focus Stacking in der Makrofotografie. Bei großem Abbildungsmaßstab ist pro Aufnahme nur eine dünne Ebene scharf. Für ein durchgehend scharfes Bild entstehen mehrere Aufnahmen mit leicht verschobener Schärfeebene, die eine Software zusammenrechnet.
Inhalt dieser Seite
  1. Das Grundproblem: die Naheinstellgrenze
  2. Zwischenringe
  3. Nahlinsen
  4. Retroadapter
  5. Das echte Makroobjektiv
  6. Vergleich nach Kriterien
  7. Für wen sich was lohnt

Die Makrofotografie muss nicht mit einer großen Investition beginnen. Es gibt mehrere Wege, mit vorhandenen Objektiven nah an kleine Motive heranzukommen. Jeder hat Stärken und Grenzen. Dieser Vergleich hilft Ihnen, den passenden Einstieg zu finden, ohne Produktempfehlungen oder Preislisten, sondern anhand von Kriterien.

Das Grundproblem: die Naheinstellgrenze

Normale Objektive können nur bis zu einem bestimmten Abstand scharfstellen. Ein Standardzoom erreicht dabei oft einen Abbildungsmaßstab von etwa 1:4 bis 1:3. Für Blüten reicht das manchmal, für Insektenaugen nicht. Alle Makro-Hilfsmittel lösen dasselbe Problem: Sie verschieben den Schärfebereich näher ans Objektiv.

Zwischenringe

Zwischenringe sind hohle Ringe, die zwischen Kamera und Objektiv geschraubt werden. Sie enthalten kein Glas. Durch den größeren Abstand zum Sensor kann das Objektiv näher fokussieren.

Vorteile: sehr günstig, leicht, kombinierbar und mit fast jedem Objektiv nutzbar. Keine zusätzlichen Linsenfehler.

Nachteile: Lichtverlust, je nach Ringlänge eine oder mehrere Blendenstufen. Das Objektiv kann nicht mehr auf Unendlich fokussieren. Der Arbeitsabstand wird sehr kurz, was bei scheuen Tieren stört. Billige Ringe ohne Kontakte schalten Autofokus und Blendensteuerung ab.

Tipp: Zwischenringe wirken an kurzen Brennweiten stärker. An einer 50-mm-Festbrennweite ergeben sie schnell hohe Vergrößerungen.

Nahlinsen

Nahlinsen werden wie ein Filter vorne auf das Objektiv geschraubt. Sie wirken wie eine Lupe. Die Stärke wird in Dioptrien angegeben.

Vorteile: einfach, kein Lichtverlust, Autofokus bleibt erhalten, gut an Telezooms.

Nachteile: Einfache Nahlinsen aus einer einzelnen Linse zeigen Farbsäume und weiche Ränder. Zweilinsige, achromatische Nahlinsen sind deutlich besser, kosten aber mehr. Das Filtergewinde muss passen.

Retroadapter

Mit einem Retroadapter wird ein Objektiv verkehrt herum an die Kamera gesetzt. Ein Weitwinkel oder Normalobjektiv erreicht so hohe Abbildungsmaßstäbe.

Vorteile: sehr günstig, beeindruckende Vergrößerung.

Nachteile: keine Automatik, Blende oft nur über Umwege steuerbar, empfindliche Hinterlinse liegt frei, extrem kurzer Arbeitsabstand. Eher etwas für Experimentierfreudige.

Das echte Makroobjektiv

Makroobjektive sind für den Nahbereich gerechnet und erreichen meist den Maßstab 1:1. Sie fokussieren trotzdem auch auf Unendlich und lassen sich daher für Porträts oder Landschaft nutzen.

Vorteile: beste Bildqualität im Nahbereich, flaches Bildfeld, oft Bildstabilisator, Autofokus.

Nachteile: höhere Kosten, größer und schwerer als Zwischenringe.

Vergleich nach Kriterien

Kriterium Zwischenringe Nahlinse Retroadapter Makroobjektiv
Kosten gering gering bis mittel gering hoch
Bildqualität gut einfach bis gut gut bis sehr gut sehr gut
Lichtverlust ja nein je nach Aufbau bei 1:1 ja, intern
Autofokus mit Kontakten ja nein ja
Unendlich nein nein nein ja
Arbeitsabstand kurz mittel sehr kurz je nach Brennweite

Für wen sich was lohnt

Wer nur ausprobieren möchte, ob Makro Spaß macht, beginnt mit Zwischenringen oder einer guten Nahlinse. Wer regelmäßig Insekten fotografiert, wird früher oder später ein Makroobjektiv mit etwas längerer Brennweite schätzen, weil der größere Abstand die Tiere weniger stört. Mehr dazu im Beitrag Insekten fotografieren.

Unabhängig vom Hilfsmittel bleibt die Schärfentiefe im Nahbereich sehr dünn. Wie Sie mehrere Aufnahmen zu einem durchgehend scharfen Bild kombinieren, steht im Beitrag Focus Stacking. Und welche weiteren Teile in die Fototasche gehören, zeigt der Bereich Fotoausrüstung.

Checkliste

Welcher Weg passt zu Ihnen?

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Was bedeutet Abbildungsmaßstab 1:1?
Das Motiv wird auf dem Sensor so groß abgebildet, wie es in Wirklichkeit ist. Ein zehn Millimeter langes Insekt ist auf dem Sensor also ebenfalls zehn Millimeter lang. Bei 1:2 ist es halb so groß. Der Maßstab hängt nicht von der Sensorgröße ab, die Bildwirkung auf kleineren Sensoren ist durch den engeren Ausschnitt aber größer.
Verschlechtern Zwischenringe die Bildqualität?
Da sie kein Glas enthalten, fügen sie keine Linsenfehler hinzu. Das Objektiv arbeitet aber außerhalb des Bereichs, für den es optimiert wurde. Ränder können weicher werden, und die Schärfentiefe ist extrem dünn. Für viele Motive ist die Qualität trotzdem sehr gut.
Funktioniert der Autofokus mit Zwischenringen?
Mit Ringen, die elektrische Kontakte haben, bleiben Autofokus und Blendensteuerung erhalten. Bei sehr günstigen Ringen ohne Kontakte müssen Sie manuell fokussieren und können je nach System die Blende nicht steuern. Im Makrobereich fokussieren viele ohnehin manuell, indem sie die Kamera vor und zurück bewegen.
Welche Brennweite ist für Makro ideal?
Das hängt vom Motiv ab. Kurze Makros um 60 mm sind kompakt und gut für Blüten und Produkte. Brennweiten um 90 bis 105 mm halten mehr Abstand, was bei Insekten hilft. Längere Makros sind noch scheuer Tierwelt angemessen, aber schwerer und teurer.