Makrofotografie

Focus Stacking: Mehr Schärfentiefe in der Makrofotografie

Wie aus vielen Aufnahmen mit verschobener Schärfe ein durchgehend scharfes Makrobild wird: Aufnahme, Werkzeuge und Software.

Focus Stacking in der Makrofotografie Bei großem Abbildungsmaßstab ist pro Aufnahme nur eine dünne Ebene scharf. Für ein durchgehend scharfes Bild entstehen mehrere Aufnahmen mit leicht verschobener Schärfeebene, die eine Software zusammenrechnet. Einstellschlitten oder Fokus-Stufen Schärfeebenen 1 bis n Software rechnet die scharfen Bereiche zu einem Bild zusammen
Focus Stacking in der Makrofotografie. Bei großem Abbildungsmaßstab ist pro Aufnahme nur eine dünne Ebene scharf. Für ein durchgehend scharfes Bild entstehen mehrere Aufnahmen mit leicht verschobener Schärfeebene, die eine Software zusammenrechnet.

Einstellungen zum Ausprobieren

  • Blüte oder Stillleben, Fokusreihe

    Blende
    f/5.6 bis f/8
    Zeit
    nach Licht, z. B. 1/60 s
    ISO
    100 bis 200
    Brennweite
    60 bis 105 mm Makro

    Manuelle Belichtung und fester Weißabgleich, damit alle Bilder der Reihe gleich aussehen.

Ausgangswerte für den ersten Versuch, keine festen Regeln. Licht, Motiv und Kamera entscheiden, das Histogramm zeigt, ob es passt.

Inhalt dieser Seite
  1. Warum die Schärfentiefe im Nahbereich so gering ist
  2. Das Prinzip
  3. Die Aufnahme Schritt für Schritt
  4. Drei Wege, den Fokus zu verschieben
  5. Software für das Verrechnen
  6. Häufige Probleme
  7. Für welche Motive sich Stacking lohnt

Wer in der Makrofotografie nah herangeht, kennt das Problem: Das Auge des Insekts ist scharf, die Fühler schon nicht mehr. Die Schärfentiefe beträgt bei hohen Abbildungsmaßstäben oft nur Bruchteile eines Millimeters. Focus Stacking löst dieses Problem, indem es viele Bilder mit unterschiedlicher Schärfeebene zu einem einzigen verbindet.

Warum die Schärfentiefe im Nahbereich so gering ist

Die Schärfentiefe hängt von Blende, Abbildungsmaßstab und Abstand ab. Je näher Sie herangehen, desto dünner wird sie. Abblenden hilft nur begrenzt, weil ab einer gewissen Blende die Beugung das ganze Bild weicher macht. Wie Blende, Zeit und ISO zusammenspielen, erklären die Kamera-Grundlagen.

Das Prinzip

Sie nehmen eine Serie auf. Im ersten Bild liegt die Schärfe ganz vorne am Motiv, im letzten ganz hinten. Dazwischen wandert sie in kleinen Schritten. Eine Software analysiert jedes Bild, erkennt die scharfen Bereiche und baut daraus ein Gesamtbild, in dem alles scharf ist.

Die Aufnahme Schritt für Schritt

  1. Kamera aufs Stativ. Jede Verschiebung zwischen den Bildern erschwert die Verrechnung. Ein solides Stativ ist hier Pflicht.
  2. Alles manuell. Belichtung, ISO und Weißabgleich festlegen, damit alle Bilder gleich hell und gleich gefärbt sind.
  3. Blende wählen. Eine mittlere Blende wie f/5.6 oder f/8 bietet einen guten Kompromiss aus Schärfe pro Bild und Anzahl der Bilder.
  4. Start und Ende festlegen. Fokussieren Sie auf den vordersten Punkt des Motivs und merken Sie sich den hintersten.
  5. In kleinen Schritten fokussieren. Die Schärfebereiche benachbarter Bilder sollen sich überlappen.
  6. Fernauslöser oder Selbstauslöser nutzen. So entstehen keine Erschütterungen.

Drei Wege, den Fokus zu verschieben

Fokusring drehen: Am einfachsten, aber ungleichmäßig. Beim Drehen ändert sich zudem leicht der Bildausschnitt, weil viele Objektive beim Fokussieren den Maßstab verändern. Gute Software gleicht das aus.

Einstellschlitten: Die Kamera fährt auf einer Schiene in feinen Schritten nach vorne. Der Fokus bleibt fest. Das ist präzise, besonders bei hohen Vergrößerungen. Es gibt manuelle und motorisierte Schlitten.

Fokus-Bracketing der Kamera: Viele aktuelle Kameras verschieben den Fokus automatisch in einstellbaren Schritten. Das ist bequem und sehr gleichmäßig.

Software für das Verrechnen

Für das Stacking gibt es spezialisierte Programme, die viele Makrofotografen nutzen, etwa Helicon Focus oder Zerene Stacker. Auch Photoshop kann Ebenen automatisch überblenden. Kostenlose Werkzeuge aus dem Open-Source-Umfeld, etwa enfuse, sind ebenfalls verfügbar, verlangen aber mehr Einarbeitung. Einige Kameras erzeugen das fertige Bild direkt intern.

Unabhängig vom Programm lohnt ein Blick auf typische Artefakte: Halos an Kanten, doppelte Konturen oder verwischte Bereiche, wo sich etwas bewegt hat. Viele Programme erlauben es, solche Stellen aus einzelnen Quellbildern zu retuschieren. Allgemeine Grundlagen zur Nachbearbeitung finden Sie im Bereich Bildbearbeitung.

Häufige Probleme

  • Lücken in der Schärfe: Die Schritte waren zu groß. Mehr Bilder mit kleineren Abständen aufnehmen.
  • Halos an Kanten: Typisch an Übergängen von Vorder- zu Hintergrund. Anderen Verrechnungsmodus testen oder manuell retuschieren.
  • Flimmernde Helligkeit: Belichtung war nicht fixiert oder Licht hat sich verändert. Alles manuell einstellen, bei Tageslicht auf Wolken achten.
  • Bewegungsfehler: Wind oder Tier hat sich bewegt. Windschutz aufbauen, kürzere Reihen aufnehmen.

Für welche Motive sich Stacking lohnt

Besonders gut eignen sich Blüten, Pilze, Mineralien, Münzen, Produkte und unbewegte Insekten. Auch in der Produktfotografie wird Stacking genutzt, wenn kleine Gegenstände von vorn bis hinten scharf sein sollen. Wer gerade erst beginnt, kann mit Zwischenringen oder einem Makroobjektiv erste Fokusreihen an einer Blüte üben.

Checkliste

Vor der Fokusreihe

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie viele Bilder brauche ich für einen Stack?
Das hängt von Abbildungsmaßstab, Blende und Motivtiefe ab. Bei einer Blüte im mittleren Nahbereich genügen oft zehn bis zwanzig Bilder, bei starker Vergrößerung eines Insekts können es Dutzende oder über hundert sein. Lieber zu viele Bilder mit Überlappung als Lücken in der Schärfe.
Warum nicht einfach stark abblenden?
Bei sehr kleinen Blenden wie f/22 macht sich Beugung bemerkbar. Das ganze Bild wird weicher, obwohl mehr Tiefe im Schärfebereich liegt. Mit einer mittleren Blende ist jedes Einzelbild schärfer, und das Stacking holt die Tiefe zurück.
Kann meine Kamera Fokusreihen automatisch aufnehmen?
Viele aktuelle Systemkameras haben eine Funktion für Fokus-Bracketing, bei der die Kamera die Fokusschritte selbst ausführt. Einige Modelle verrechnen den Stack sogar intern. Schauen Sie in der Bedienungsanleitung nach Begriffen wie Fokus-Bracketing oder Fokusverschiebung.
Funktioniert Focus Stacking bei lebenden Insekten?
Nur eingeschränkt. Sobald sich das Tier bewegt, entstehen Fehler im Stack. Bei kühlen Morgenstunden sitzen Insekten oft still, dann gelingen kurze Reihen aus der Hand oder vom Stativ. Für sehr hohe Vergrößerungen arbeiten viele mit Präparaten oder Fundstücken.